Ausstellung
Natürlich können Menschen aufgrund ihres eingeschränkten Kommunikationsspektrums nicht wirklich wissen oder ausdrücken, was Hunde denken, aber die vage Möglichkeit besteht immerhin, dass manches sich vielleicht so oder so ähnlich anhören würde, wenn der Hund erzählen könnte.
DIE ERSTE AUSSTELLUNG
Mein Name ist PACEMAKER EARL`S DACEY. Ich bin sechs Monate alt und möchte Euch heute mal erzählen, was ich neulich für ein tolles Wochenende hatte:
Mein Frauchen hat mich, meine Freundinnen AYRA und BUFFY und unsere
"bunte", alte CITA (Kleiner Münsterländer, 15 Jahre; Anm. d.
Autorin) in ein ganz großes Zimmer gesetzt. Dann stiegen auch noch mein Freund
DUNDEE und zwei Zweibeiner ein, meine "erster Mensch" Birge und das
Frauchen von Ayra und Buffy, Anke.
Die ist vorne eingestiegen und hatte so ein Plastikrad, an dem sie immer gedreht
hat und das war der einzige Platz, auf dem keiner von uns sitzen durfte - nicht
mal auf dem Schoß - empörend!
Ja und dann hat sich doch dieses tolle Zimmer, in dem es sogar Näpfe und Futter
und Wasser gab, auch noch bewegt. Das war irre. Man konnte von Sofa oder Tisch
aus rechts, links und vorne aus dem Fenster schauen und Menschen, Hunde und
Landschaften sind an uns vorbeigeflogen. Allerdings bekamen wir immer "Mecker"
von den Menschen, wenn wir so alle zusammen richtig schön laut gebellt haben.
Manchmal haben wir angehalten, jedes Mal woanders, und sind spazieren gegangen,
wo ganz andere Gerüche waren; ich glaube, da wo wir am Ende waren, reden die
Hunde irgendwie anders.
Als es dunkel wurde haben wir schön eng aneinandergekuschelt geschlafen.
Plötzlich wurden die Menschen ganz aufgeregt, sie redeten und zeterten,
fuchtelten mit Papierblättern herum und unser Zimmer-Auto hielt dauernd an,
dann fuhren wir wo hin, wo wir grad erst hergekommen waren und dann ganz lange
im Kreis. Wir wussten gar nicht, was los war, aber schließlich durften wir
aussteigen und wurden von einem fremden Mann, der aber ganz toll nach Hunden
roch, begrüßt. Der durfte unsere Menschen sogar küssen, wir dürfen das
nicht. Bei dem Mann wohnt auch eine Frau und wir durften alle mit ins Haus. Die
Hunde, die zu den Gerüchen an den beiden Menschen gehören, haben wir leider
nicht gesehen, aber gehört und wir durften auch auf ihren Deckchen liegen.
Schließlich wurden wir alle müde, auch unsere Menschen haben gegähnt und so
sind wir erst noch einmal spazieren gegangen und dann wieder in unser fahrbares
Zimmer und haben schön geschlafen.
Am nächsten Tag sind die Menschen erst eine Weile verschwunden und als sie
wiederkamen, (sahen übrigens irgendwie satt aus - und ich hab` schon wieder
Hunger, hab` ich übrigens eigentlich immer) sind wir wieder losgefahren.
Diesmal sind wir zu zwei anderen Menschen gefahren, wo auch Hunde wohnen, und
durften im Garten rumtoben, während die Menschen ihren Hund FOSTER auf einen
Tisch gestellt haben und dann fielen ihm plötzlich alle seine Haare aus. Sah
zumindest von unten so aus, denn als er später zu uns herunter durfte, siehe
da, sah er zwar dünner aus, aber er hatte noch Fell. Da war ich richtig froh,
es war nämlich ganz schön kalt.
Foster ist übrigens mein Bruder und wohnte auch mal bei Birge, aber jetzt ist
er in diesem Land bei ganz netten Leuten und noch ein paar anderen Hunden. Dem
geht es richtig gut dort, er ist nämlich der einzige Mann im Haus, von dem
Zweibeiner mal abgesehen.
Nach einer weiteren Nacht, die übrigens ganz schön kurz war (gähhhn!) sind
wir wieder woanders hingefahren und die Menschen waren irgendwie komisch
aufgeregt.
Wir gingen in einen ganz großen Raum, da lag ein großer Teppich, auf den aber
keiner pinkeln durfte, und überall standen diese Tische, wo Hunden, die darauf
stehen die Haare ausfallen. Es waren ganz schön viele da, ich schätze,
bestimmt so viele wie ich abends Hundekuchen in meinem Napf habe. Und natürlich
auch viele Menschen, die ganz aufgeregt miteinander gebellt haben.
Einer, ein Mann im Anzug hat immer vor einem Knochen oder so was ähnlichem
gebellt, aber nicht reingebissen. Er hatte eine ganz besonders laute
"Belle" und alle haben ihm immer zugehört. So laut möchte ich auch
mal bellen können, wenn ich groß bin.
Dann habe ich eine ganz andere Leine um den Hals bekommen als sonst, diese
fiese, die immer so ein bisschen unangenehm am Hals ist, weil sie so dünn ist.
Aber dann muß ich ja nur den Kopf schön hochhalten, das geht dann schon. Nun
musste ich hinter einigen anderen Hunden hergehen. Das fand ich nicht so schön,
ich hätte sie gerne eingeholt und mit ihnen gespielt, aber die hatten auch alle
so eine "Kopf-hoch-Leine" an und so ging das eben nicht. Manchmal
sollte ich stehen bleiben und der Mensch neben mir fummelte an meiner Rute herum
und schmatzte immer so dämlich. Als ob ich nicht wüsste, wie es sich richtig
schmatzt beim Futtern, aber es gab kein Futter, nur gelegentlich so einen
Minihundekuchen, der nach Hosentasche schmeckte.
Dann kam der Mann mit der lauten Stimme und hat mich gekitzelt. Am Bauch, am
Rücken, hat mir die Ohren auslecken wollen, es aber dann doch nicht getan, und
wollte, dass ich ihm die Zähne zeige. Das mach` ich aber nicht einfach so bei
Menschen, er musste schon seine Pfoten nehmen und mir die Lefzen hochziehen.
Dann konnte er meine Zähne angucken, so lang er wollte, merkwürdig, aber na
ja, wenn`s ihm eben Spass macht.
Meine Pfoten musste ich auch abwechselnd hochheben und dann hat mir der doch
tief in die Augen geschaut!
Ich musste dann ganz still stehen als der Mann wieder versucht hat in seinen
Knochen zu beißen. Er hat`s aber nicht geschafft, sondern wieder nur davor
gebellt.
Dann sind wir wieder im Kreis gelaufen und dann kam das Beste:
Da hat doch ein anderer Mann lauter Tüten mit Futter auf dem Boden gestellt!!
Ich konnte mein Glück kaum fassen. Auch so ein merkwürdig hoher Napf stand da,
war aber kein Wasser drin und ein Stück Holz daneben, auf dem ich aber auch
nicht nagen durfte. Ich habe versucht, in jede Tüte zu schauen, das fand mein
Mensch nicht so toll und hat mich daran vorbeigezogen.
Am Ende stand ich aber vor einer Tüte und wusste sofort: Die gehört jetzt dir,
die lässt du dir nicht mehr nehmen. Mein Mensch hat sie dann mitgenommen, als
wir endlich gehen durften, aber es ist und bleibt MEINE Tüte. Den leeren Napf
hat sie auch mitgenommen, aber den will ich gar nicht. War ja nix drin.
Dann sind wir wieder lange mit dem Zimmer-Auto gefahren, aber ich habe die
meiste Zeit an mein Frauchen gekuschelt geschlafen, denn ich war doch ganz
schön müde von dem ganzen Trubel. Als wir endlich zu Hause waren durften wir
alle noch einmal kurz im Garten spielen und "entsorgen", dann ging es
in meinen geliebten Korb und ich habe am nächsten Morgen ganz lange geschlafen
und von den schönen Tagen in dem fremden Land geträumt.
Mein Frauchen sagte es hieße Holland und wir waren auf einer Ausstellung.
Na mir ist das wurscht (lecker!), aber es war sehr spannend und schön.
Anmerkung derAutorin: Es handelt sich um das Klubmatch in Holland am 1.12.02, wir waren zu Besuch bei Peter und Toos Jaspers und Jos und Monique Bakker, bei denen ich mich herzlich für die Gastfreundschaft bedanke. A.Mieth